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Die renovierte Glockenstube in Pintsch, Foto Francis ErasmyDie Glocken von Pintsch

Die alten Glocken und ihre Geschichte

Die Geschichte der Maximin-Kirche von Pintsch und ihrer Glocken geht sicher weit zurück in die Jahrhunderte. Ein klarer Hinweis dürfte der uralte, mächtige, romanische Glockenturm aus dem 11. Jh. sein, der seit fast tausend Jahren im Pintscher Tal trohnt. Was allerdings seine Bewohnerinnen anbelangt – die Glocken – so schweigt sich das Pfarrarchiv aus. Es ist anzunehmen, dass sich bis zur Französischen Revolution zwei Glocken im Turm befanden, da knappe Hinweise, über Glockenseile die ersetzt werden mussten, im Archiv dies andeuten.

Im jetzigen Geläut der Pintscher Pfarrkirche bilden die zwei Glocken aus dem Jahre 1803 die ältesten Bewohnerinnen des Turmes. Sie wurden vom Wandergießer Pierre Boitel (von Illoud, Haute-Marne) vor Ort gegossen und ersetzten die vorherigen Glocken, die in den Wirren der Revolution zu Kriegszwecken abgeliefert werden mussten. Zu diesem Zeitpunkt wurde wahrscheinlich auch eine neue Glockenstube im Turmhelm eingerichtet. Der Turm war in der Barockzeit nämlich mit einem hohen Spitzhelm bekrönt worden und bot den neuen Glocken mehr Platz und Höhe.

Der Glockengießer Pierre Boitel (1765-1851) arbeitete hauptsächlich in Frankreich, aber auch in Luxemburg und im nahen Rheingebiet war er tätig. In Luxemburg läuten außer in Pintsch noch weitere Glocken von ihm: in Roodt bei Ell, Longsdorf, Weiswampach, Bofferdingen und Brandenburg. Typisch für jene Zeit (eine Zeit der Glockendekadenz) sind auch seine Glocken eher bescheidene, nicht besonders klangstarke Instrumente. Eine der wichtigsten Ursachen dürfte das Material gewesen sein, das den Glockengießern zur Verfügung stand. Meistens waren es (vor allem in Nachkriegszeiten) Kanonen die zu Glocken umgegossen wurden.

Das Projekt der Erweiterung und Sanierung

Die Glocken von Boitel konnten wohl nie so recht überzeugen, obwohl sie der Kirche und dem Dorf seit mehr als zweihundert Jahren treue Dienste erwiesen haben. Schon länger bestand der Wunsch, das Geläut zu erweitern. Außerdem zeigte sich, dass der Zahn der Zeit am Turm genagt hatte, er bedurfte einer dringenden Sanierung. Am 12. Juni 2002 unterzog der Glockensachverständige, Bruder Michael Reuter OSB aus der Benediktinerabtei Maria Laach, dem Turm einer Expertise. In seinem Bericht musste der Sachverständige auf den allgemein schlechten Zustand aufmerksam machen: unzählige Tauben hatten den Turm total verschmutzt, das Dach war undicht, die Leiter gefährlich, der Turm war der Witterung ausgesetzt (offene Schalllöcher) usw. Auch klangliche Mängel stellte er fest, etwa wenn er den Klang der größeren der beiden Glocken als „kochtopfartig“ bezeichnete, den Klang der kleineren als grell und hart.

Bruder Michael Reuter unterbreitete dem Kirchenrat einen Vorschlag zur Sanierung des Turmes und Erweiterung des Geläutes um vier Glocken. Die alten Glocken von 1803 sollten an ihrem angestammten Platz bleiben. Lediglich die Anlage müsste gesäubert werden. Die Motoren, Armaturen und der Glockenstuhl waren in einem guten Zustand, da sie erst vor einigen Jahren von der Glockengießerei Mabilon aus Saarburg in Zusammenarbeit mit der Firma Hörz aus Ulm instand gesetzt worden waren. Die neuen Glocken aber sollten in die ursprüngliche, historische Glockenstube kommen, wo sich auch die alten romanischen Schalllöcher befinden.

Dieses Projekt fand allgemeine Zustimmung bei den Behörden. Nachdem die Zivilgemeinde Wilwerwiltz und die staatliche Denkmalpflege versprochen hatten, sich am Projekt finanziell zu beteiligen, stimmten die Mitglieder des Kirchenrates diesem Vorhaben zu. Durch zahlreiche Spenden der Kiischpelter Pfarreimitglieder und anderer Gönner konnte in einer Rekordzeit von nur weinigen Monaten die zu erbringende Summe zusammengetragen werden.

Die Gemeindearbeiter säuberten den Turm von oben bis unten und legten neue Träger aus Tannenholz in die alten Mauern ein, gemäß den Ausmessungen eines Statikers. Neue Zwischenböden wurden eingezogen und die Mauern des Turmes wurden saniert. Das Dach wurde provisorisch abgedichtet und soll in nächster Zukunft ganz erneuert werden. Der Glockengießer Hermann Schmitt und seine beiden Söhne Christoph und Michael aus Brockscheid gossen die vier neuen Glocken und fertigten den neuen Glockenstuhl aus Eichenholz nebst allem Zubehör.

Das neue Geläut

Am 12. Oktober 2003 wurden die neuen Glocken von Erzbischof Mgr. Fernand Franck während einer feierlichen Eucharistiefeier geweiht. Es wurde ein wirkliches Fest für den ganzen Pfarrverband Kiischpelt. Aber noch einige Wochen sollten vergehen, bis die Vorarbeiten abgeschlossen waren und die Glocken in ihre neue Wohnung einziehen konnten. Am 27. November wurden sie in den Turm eingeholt, der Glockenstuhl wurde montiert, die schönen Holzjoche mit handgeschmiedeten Flachbändern an den Glocken befestigt. Die Firma Hörz installierte die neuen Läutemotoren, die Schlagwerke und die Turmuhr. Schreiner Rob Felten aus Pintsch fertigte für die Glockenstube neue Schallläden aus Eichenholz. Am 17. Dezember 2003 wurden die neuen und die alten Glocken der Öffentlichkeit in einem gut besuchten Glockenkonzert vorgestellt.

So sieht das neue Geläut aus:
  1. des’ (do #) neu, 1300 kg
  2. ges’ (fa #) neu, 560 kg
  3. as’ (sol #) neu, 420 kg
  4.  b’ (la #) alt, 320 kg
  5. ces’’ (si) neu, 270 kg
  6. des’’ (do #) alt, 190 kg

Bruder Michael berechnete in Zusammenarbeit mit Glockengießer Hermann Schmitt die neuen Glocken nach der Rippe des berühmten Glockengießers Jean-Louis Edel aus Strassburg, damit sie sich gut zu den vorhandenen einfügen würden. Der Klang der Glocken kann als warm und harmonisch bezeichnet werden, da die Glocken in einem Eichenglockenstuhl hängen und mit Klöppeln aus weichem Schmiedeeisen (und großen Ballen) ausgestattet sind. Da die Glocken außerdem nicht unmittelbar vor den Schalllöchern hängen, sondern etwas tiefer, wirken sie etwas zurückhaltender, für die Zuhörer angenehm. Die Glockenstube (in Verbindung mit den Schallläden) wirkt dabei wie ein Resonanzkasten, wo der Klang sich gut mischen kann. Glocke 1 ist die Bourdonglocke und gibt dem Geläut die nötige Tiefe und Festlichkeit, sie erklingt nur zu besonderen Gelegenheiten und jede Woche am Freitag um 12.00 Uhr (Todestag Jesu).

Bestanden bis jetzt kaum Variationsmöglichkeiten (zwei Glocken sind halt immer etwas langweilig, weil immer gleich), so ergibt sich nun mit den neuen Glocken ein stattliches Sechser-Geläut, das ganz neue und quasi unzählige Kombinationsmöglichkeiten zulässt. Gerade der ungewöhnliche Halbtonschritt zwischen Glocke 4 und 5 lässt viele Möglichkeiten in der Läuteordnung zu. Selbst verschiedene Melodien lassen sich auf den Glocken spielen, die mit den Anschlaghämmern zum Klingen gebracht werden können. Deshalb wurde eigens eine spezielle Steueruhr aus den Niederlanden installiert, die an verschiedenen Zeiten am Tag Melodien erklingen lässt. Eine Läuteordnung, die auch vom Küster eingehalten wird, lässt den sinnvollen Gebrauch der Glocken zu: in gut erkennbaren Motiven, der liturgischen Gegebenheit und der Jahreszeit entsprechend, kommen die Glocken zu ihrem edlen Einsatz. Zum Lobe Gottes und zur Freude der Menschen rufen sie Trost und Frieden zu, erfreuen das Herz, rufen in Erinnerung und ermahnen die Menschen zur Erkenntnis und Einsicht.

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