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Foto A. GeimerPflanzliche Gerbstoffe

Grundlage für alle Anwendungen ist die Reaktion zwischen Gerbstoffen und Eiweißen. Die Gerbstoffe vernetzen sich mit den Eiweißen, bei pflanzlichen Gerbstoffen entstehen beispielsweise Wasserstoffbrückenbindungen zwischen den Molekülen.

Es gibt eine Reihe von Pflanzen, die Gerbstoffe liefern, z. B. Mimosa, Vallonea oder Fichte.
Im Ösling ist das Ausgangsmaterial ist die Rinde junger Eichen. Dabei spielt es entgegen der früheren Auffassung keine Rolle, ob es sich um Trauben- oder Stieleichen handelt. Wichtig ist aber, dass die Bäume noch keine grobe, rissige Borke entwickelt haben. Die Glanz- oder Spielgelrinde von jungen Eichen hat nämlich einen deutlich höheren Gerbstoffgehalt (bis zu 15 %).

Traubeneiche (Quercus petraea)

Die Traubeneiche ist ein 25 - 30 (maximal 40) Meter hoher Baum und erreicht Stammdurchmesser bis zwei Meter. Ihr Höchstalter liegt bei 800 bis 1000 Jahren. Sie ist nach der Stieleiche die bei uns häufigste Eichenart.
Die Traubeneiche kommt auf trockenen bis frischen, mittel- bis tiefgründigen Stein- und Lehmböden vor. Sie toleriert auch schlecht nährstoffversorgte Standorte. Im Gegensatz zur Stieleiche meidet sie staunasse Böden. Genau wie die Stieleiche wird sie bei uns auf normalen Standorten von der schattentoleranten Rotbuche verdrängt.
Ihre Früchte sitzen gehäuft an sehr kurzen Stielen. Die Blätter sind zwei bis drei Zentimeter lang gestielt. Die Blattbasis ist keilförmig und nicht geöhrt.

Foto A. GeimerStieleiche (Quercus robur)

Die Stieleiche ist ein 20 bis 40 Meter hoher Baum und erreicht einen Stammdurchmesser bis drei Meter. Ihr Höchstalter liegt bei 500 bis 1000 Jahren.
Die Stieleiche ist die in Mitteleuropa am weitesten verbreitete Eichenart. Am besten entwickelt sich die Stieleiche auf nährstoffreichen, tiefgründigen Lehm- und Tonböden. Sie kann aber auch wechselfeuchte bis nasse Böden besiedeln. Da sie sehr viel Licht braucht, wird die Stieleiche bei uns normalerweise von der Buche verdrängt.
Ihre Früchte sitzen zu wenigen an langen Stielen. Die Blätter sind nur kurz gestielt. Die Blattbasis ist herzförmig und geöhrt.

Eichenrinde wird im Frühjahr, wenn der Saft steigt, „geerntet“. Dann enthält sie die meisten Gerbstoffe. Sie wird getrocknet und anschließend zu Schrot oder einem mehr oder weniger feinen Pulver zermahlen. Früher gab es dafür spezielle Lohmühlen (z. B. in Enscherange). Dieses Pulver ist dann das Ausgangsmaterial beim (Loh-) Gerben sowie bei der Anwendung in der Körperpflege und Naturheilkunde.

Da bei einer reinen Lohgerbung das Leder oft nicht die gewünschtenr Eigenschaften aufweist, werden häufig andere pflanzliche Gerbstoffe hinzugegeben. Dazu gehören Fichtenrinde, Valonea-Fruchtbecher und Mimosarinde.

Gemeine Fichte (Picea abies)

Fichtenrinde fällt als Nebenprodukt bei der Holzgewinnung an und weist einen sehr hohen Zuckergehalt auf, der bei der Gerbung in Säure umschlägt. Die Gemeine Fichte ist ein aufrecht wachsender immergrüner Baum, der bis zu 600 Jahren alt werden und dabei bis zu 40 Meter hoch sowie einen Stammdurchmesser bis 1,5 Meter erreichen kann. Sie kommt in fast ganz Europa vor, zieht aber ein feuchtes und kühles Klima vor und ist deshalb bei uns eigentlich ein Gebirgsbaum.Im Ösling kommt sie deshalb nur vor, weil sie sie vom Menschen angepflanzt wurde. Die Nadeln sind stechend-spitz und im Querschnitt vierkantig, im Schatten etwas abgeflacht. Sie sind meist ein bis zwei Zentimeter lang und etwa einem Millimeter breit. Bis auf eine schmale Naht an der Zweigunterseite verteilen sie sich rund um den Zweig. Typisch sind die braunen, nach unten hängenden, trockenen Zapfen von etwa 10 bis 15 Zentimeter Länge und von drei bis vier Zentimeter Breite. Die Zapfen werden nach der Reife als Ganzes abgeworfen.

Valonea (Quercus macrolepsis)

auch Valoneneiche, Walloneneiche, Arkadische Eiche

Der Valoneabaum, ebenfalls eine Eichenart, besitzt Fruchtbecher, deren Schuppen einen Gerbstoffgehalt von 30 bis 35 Prozent und ähnliche Gerbeigenschaften wie die Lohe aufweisen. Dieser Baum wird 10 bis 15 Meter hoch und kann wie alle Eichen mehrere hundert Jahre alt werden. Sie kommt vor allem am östlichen Mittelmeer, von der Türkei über Griechenland bis nach Mittelitalien, aber nur bis maximal 500 m Höhe vor. Die Blätter sind zugespitzt, an der Basis leicht herzförmig und haben an jeder Seite 5-9 spitze Zähne. Die jungen Blätter sind auf beiden Seiten dicht behaart, später ist die Oberseite mehr oder weniger kahl. Typisch sind die großen, stacheligen Fruchtbecher mit den gerbstoffhaltigen Schuppen..

„Mimose“, eigentlich Silber-Akazie (Acacia dealbata)

Die Mimosarinde hat einen Gerbstoffgehalt von 30 bis 35 Prozent und ergänzt die Gerbstoffmischung, weil sie den flexiblen Charakter des Leders erhöht. Die Silber-Akazie stammt ursprünglich aus Südostaustralien. Der schnellwüchsige, aber auch kurzlebige Baum hat einen einzigen Stamm mit glatter, grauer Rinde. Jedes paarig gefiederte Blatt setzt sich aus Hunderten winziger Blättchen zusammen, die mit weißen Härchen überzogen sind, was den Blättern einen silbrigen Schimmer verleiht. Im Spätwinter oder Frühjahr ist die kuppelförmige Krone mit zahlreichen Blütenzweigen mit kleinen, kugelfömigen, goldgelben Blütenbüscheln geschmückt.

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