Modernisierungswelle

Zunächst einmal lösten die steigende Produktion in der Landwirtschaft, die größere Nachfrage nach Lebens- und Futtermitteln, neue technische Entwicklungen wie z. B. die Erfindung der Elevatoren, aber sicherlich auch der zunehmende Konkurrenzdruck und der Zwang zur Rationalisierung Ende des 19., Anfang des 20. Jhs. eine regelrechte Modernisierungswelle in unseren Mühlen aus.

So erhielt die Schuttburger Mühle 1888 eine komplette neue Einrichtung mit einem oberschlächtigen Antrieb und zwei Mahlgängen.

 

Oberschlächtiges Mühlrad

Vom Mühlbach aus wird das Wasser über ein Gerinne aus Holz oder Metall von oben her auf das Mühlrad geleitet, das dadurch von der Gewichtskraft des Wassers - also nicht von der Strömung - angetrieben wird.

Solche Mühlräder werden meist bei einem Gefälle zwischen 3 und 6 m sowie einer Wassermenge von 0,1 bis 0,5 m³/s eingesetzt. Sie können einen Wirkungsgrad von über 80 % erreichen.

 

oberschlächtiges Mühlrad; from en.wikipedia; Original artwork by Daniel M. Short

 

In der Folgezeit nahm anscheinend der Modernisierungsdruck und damit auch der Investitions- und Kapitalbedarf entscheidend zu. Neben der Frèresmillen (1930) konnten sich nur zwei andere Mühlen – die Rackés Millen (1902, 1934) und die Kneipmillen (1922, 1927) - die erforderlichen Investitionen wie z. B. ein neues Mühlengebäude oder eine komplett neue Anlage mit neuen Mühlrädern bzw. Turbinen, Walzenstühlen, Elevatoren, Plansichtern, Sackaufzug usw. leisten.

In der Rackés Millen ist diese Anlage von 1902 bzw. 1934 (Wasserrad und Transmissionen, Walzenstuhl, Elevator, Plansichter sowie der Sackaufzug), daneben aber auch der alte Mahlgang, bis heute funktionstüchtig erhalten.

 

Bannmühlen des Mitelalters - Revolution und Gewerbefreiheit - Industrialisierung und Marktanschluss - Modernisierung - Mühlensterben - Rackés Millen, die letzte ihrer Art

Mühlentechnik in der Rackés Millen