Geschichte des GradnetzesDie Idee für das Gradnetz ist im Prinzip also ganz einfach. Da drängt sich natürlich die Frage auf, seit wann es dieses Netz bereits gibt bzw. wer es erfunden hat. Interessanterweise muss man aber weiter in die Geschichte zurück, als man es vielleicht erwartet hat. Die Zeitreise endet um das Jahr 225 vor Christus in Alexandria/Ägypten. Dort stößt man auf einen guten alten Bekannten aus der Geographie, Eratosthenes von Kyrene. Er gilt als Erfinder des Wortes „Geographie“ und war seit 236 Direktor der Bibliothek von Alexandria. Er war (wie bereits Aristoteles, 384 – 322 v. Chr., und Pythagoras, um 570 bis um 500 v. Chr.) davon überzeugt, dass die Erde eine Kugel ist. Diese Ansätze wurden von Hipparch von Nicäa (um 190 bis etwa 120 vor Christus) weiter entwickelt. Er teilte als Erster den Kreis in 360° auf und wendete dies nicht nur in der Geometrie, sondern auch in der Astronomie (Himmelsglobus), der Vermessung und der Geographie an. Er konnte mit Hilfe seiner Messgeräte die Höhe der Sonne und damit den Breitengrad bereits ziemlich genau bestimmen. Seither liegt Enscherange auf 50° Nord. Sein Null-Meridian verlief allerdings durch seinen Beobachtungsstandort in Rhodos und damit weit östlich von uns. Das änderte sich mit Claudius Ptolemäus (um 100 bis um 170 nach Christus), dem dritten Wissenschaftler in dieser Reihe. Auch er arbeitete in Alexandria. Neben vielen anderen Werken verfasste er eine "Geographia", in der er das Wissen über die bekannte Welt sammelte. Auf seinen Karten und bei der Positionsangabe von Städten usw. benutzte auch er ein Gradnetz. Mit diesen drei griechischen Wissenschaftlern waren die Grundlagen für ein Gradnetz gelegt. Seither ging es neben der Verbesserung der Messverfahren nur noch um die Frage, wo der Null-Meridian verläuft. Arabische Geographen verlegten ihn an die Westspitze Afrikas und 1075 nach Bagdad. 1634 einigten sich die wichtigsten seefahrenden Nationen zunächst auf den Ferro-Meridian des Ptolemäus. Dennoch wurden weiterhin nationale Null-Meridiane benutzt. Im 19. Jh. nahm dann aber der internationale Reiseverkehr sowohl auf dem Meer als auch – mit der Eisenbahn - auf dem Land enorm zu. Damit wurde ein einheitlicher Null-Meridian immer wichtiger. Man brauchte ihn nicht nur in der Geographie, Vermessung und Navigation, sondern auch als Grundlage für eine einheitliche Weltzeit und die Einteilung der Welt in Zeitzonen. Das war die Basis für internationale Fahrpläne. Dieser Meridian wurde 1885 in Deutschland und um 1900 in Frankreich übernommen. Interessanterweise blieben die Franzosen aber auch ihrem alten Pariser Meridian treu. Er taucht bis heute parallel in der französischen Kartographie auf. Auch in Österreich-Ungarn benutzte man bis 1918 den Ferro- und den Greenwich-Meridian parallel. In der Vermessung und der Kartographie wurde der Greenwich-Meridian in Luxemburg eigentlich erst in den Jahren 1929 – 1933 übernommen. Damals wurde Luxemburg durch das belgische „Institut Géographique Militaire“ in das belgische (und damit europäische) Triangulationsnetz (Vermessungsnetz auf der Basis von Dreiecken) integriert. Nach dieser kleinen Zeitreise durch die Geschichte des Gradnetzes kann man also feststellen:
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