Die Müller-Orgel in Pintsch, Foto Francis ErasmyDie Müller-Orgel
in Pintsch

Eine Orgel für den Kiischpelt

In den luxemburgischen Ardennen waren Orgeln von jeher eine Seltenheit. Auch im Kiischpelt gab es bis zur Anschaffung einer Orgel für die St. Maximin-Pfarrkirche noch nie ein solches Instrument in einer Kirche. Mit der Erweiterung von 1879 entstand auch eine geräumige Empore für die Sänger und eine Orgel.
Das Firmenschild, Foto Francis ErasmyAm 7. Oktober 1898 erhielt Eduard Müller (1851-1915) aus Reifferscheid/Eifel den Auftrag. Das Gehäuse fertigte Meister Peters aus Burg-Reuland. Bezahlt wurde die Orgel durch Spenden der Bevölkerung aus den sechs Dörfern der Pfarrei.

Die Orgel im Laufe der Jahrzehnte

Diese Orgel von 1898 ist bis heute unverändert erhalten. Auch den zweiten Weltkrieg überlebte sie – wie durch ein Wunder – quasi unbeschadet. Von den ursprünglich 39 Orgeln dieser Firma in Luxemburg blieben lediglich die Orgeln von Bissen (1891, 22/II/P), Bauschleiden (1900, 12/II/P), Esch/Sauer (1901, 8/I/P) und Pintsch (1899, 12/II/P) orginal erhalten und wurden deshalb im Dezember 2001 unter Denkmalschutz gestellt.

Die Müller-Orgel in Pintsch zeichnet sich zunächst durch ihren warmen und fülligen Klang aus.
Eher untypisch für ihre Epoche verfügt sie noch über ein klassisches Plenum im Hauptwerk (16’/8’/4’/2 2/3’/2’/1 3/5’) mit einem Cornett und einer schmetternden Trompete als Klangkrone. Das Hauptwerk ist kräftig intoniert und erinnert im Plenum eher an eine französische Orgel.
Das zweite Manual ist als Echowerk und Begleitmanual konzipiert und viel sanfter als das Hauptwerk.
Das eigene Pedal dient dem Werk als Fundament.

Eine weitere Besonderheit aus heutiger Sicht ist die sensible pneumatische Traktur, die nur kurze Zeit um 1900 bis in die 20er Jahre des vorigen Jahrhunderts gebaut wurde. Außerdem besitzt die Orgel noch ihre ursprüngliche Gebläseanlage mit dem Tretbalg, der jederzeit einsatzbereit ist. Parallel dazu erhielt sie in den 30er Jahren aber auch ein elektrisches Gebläse.

Ein Detail aus dem Orgelprospekt der Müller-Orgel in Pintsch, Foto Francis ErasmyDie Vorderfront des Gehäuses besteht aus massivem Eichenholz und wartet mit schönen Schnitzereien auf. Der freistehende Spieltisch verfügt über zwei Manuale und ein Pedal. Die Registerzüge bestehen aus gedrechselten Holz-Zügen, die mit emaillierten Medaillons beschriftet sind.

Die Orgel wurde im Laufe der Jahre mehr oder weniger regelmäßig gewartet und auch mehrere Male gereinigt. Im Inneren fanden sich Eintragungen des Orgelbauers Sekundus Fischer (1877-1958) vom 3. August 1920 und 10. November 1924. Später wartete Orgelbauer Georg Haupt (1881-1952) das Instrument. 1986 wurde sie im Rahmen der Restaurierungsarbeiten in der Kirche durch Orgelbaumeister Georg Westenfelder aus Lintgen überholt und gereinigt.

In den letzten Jahren wurde deutlich, dass eine grundlegende Restauration der Müller-Orgel unumgänglich war. Der Zahn der Zeit, vor allem aber der Holzwurm und die Warmluft-Heizung (die demnächst ersetzt werden soll), machten der Orgel arg zu schaffen, so dass sie fast nicht mehr spielbar war. Als sich schließlich auch noch zeigte, dass die elektrischen Zuleitungen der 30er Jahre (für das Gebläse) eine Brandgefahr darstellten, wurde die Orgel stillgelegt. Während eines ganzen Jahres leistete ein Orgel-Positiv wertvolle Ersatzdienste.
Inzwischen war in Esch/Sauer die Müller-Orgel durch die Orgelbaufirma Hugo Mayer aus Heusweiler (D) hervorragend restauriert worden. Dies ermutigte den Kirchenrat, diese Firma auch in Pintsch mit der Instandsetzung zu beauftragen.

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