Die Brotvermehrung (Joh 6, 1-15)
Jean Neumanns, 1924
Der Kirchenraum wird sehr stark durch die Wandmalereien aus dem Jahr 1924 von Jean Neumanns (+ 1973). Seine Werke mit den groß angelegten figurativen Darstellungen und der Flächenornamentik, in der Erinnerungen an den Jugendstil anklingen, sind typisch für den in den 20er und 30er Jahren des 20. Jh. entwickelten Dekorationsstil in den Ausmalungen der Kirchenarchitektur. Jean Neumanns, der sein Atelier in Ettelbruck hatte, erhielt seine Ausbildung an der Kunstakademie in Düsseldorf und wurde in Luxemburg von Nicolas Brücher (+ 1957) in die Kunst der kirchlichen Wandmalerei eingeführt. Bei der Renovierung unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein großer Teil der Ausmalung übertüncht. Nur die beiden großen biblischen Szene, die die Brotvermehrung und eine Krankenheilung Jesu darstellen, blieben sichtbar. Bei der jüngsten Restaurierung wurden weitere Teile freigelegt, z.B. das Dreifaltigkeitssymbol, die dazu gehörenden Anbetungsengel und der im vorderen Langhaus stark betonte Gewölbeschlussstein, der von den Monatszeichen umgeben ist.
Quelle: Die Kirchen und Kapellen im Pfarrverband Kiischpelt, Schnell Kunstführer Nr. 2545
Die hier dargestellte Szene greift die Darstellung der Brotvermehrung im Johannesevangelium auf, speziell den Vers 9. Dort wird von einem Jungen gesprochen, der fünf Gerstenbrote und zwei Fische hat: "1 Danach ging Jesus an das andere Ufer des Sees von Galiläa, der auch See von Tiberias heißt. 2 Eine große Menschenmenge folgte ihm, weil sie die Zeichen sahen, die er an den Kranken tat. 3 Jesus stieg auf den Berg und setzte sich dort mit seinen Jüngern nieder. 4 Das Pascha, das Fest der Juden, war nahe. 5 Als Jesus aufblickte und sah, dass so viele Menschen zu ihm kamen, fragte er Philippus: Wo sollen wir Brot kaufen, damit diese Leute zu essen haben? 6 Das sagte er aber nur, um ihn auf die Probe zu stellen; denn er selbst wusste, was er tun wollte. 7 Philippus antwortete ihm: Brot für zweihundert Denare reicht nicht aus, wenn jeder von ihnen auch nur ein kleines Stück bekommen soll. 8 Einer seiner Jünger, Andreas, der Bruder des Simon Petrus, sagte zu ihm: 9 Hier ist ein kleiner Junge, der hat fünf Gerstenbrote und zwei Fische; doch was ist das für so viele! 10 Jesus sagte: Lasst die Leute sich setzen! Es gab dort nämlich viel Gras. Da setzten sie sich; es waren etwa fünftausend Männer. 11 Dann nahm Jesus die Brote, sprach das Dankgebet und teilte an die Leute aus, so viel sie wollten; ebenso machte er es mit den Fischen. 12 Als die Menge satt war, sagte er zu seinen Jüngern: Sammelt die übrig gebliebenen Brotstücke, damit nichts verdirbt. 13 Sie sammelten und füllten zwölf Körbe mit den Stücken, die von den fünf Gerstenbroten nach dem Essen übrig waren. 14 Als die Menschen das Zeichen sahen, das er getan hatte, sagten sie: Das ist wirklich der Prophet, der in die Welt kommen soll. 15 Da erkannte Jesus, dass sie kommen würden, um ihn in ihre Gewalt zu bringen und zum König zu machen. Daher zog er sich wieder auf den Berg zurück, er allein." Text der Einheitsübersetzung, übernommen von www.bibelserver.de
Das Textzitat gehört wie bei der Krankenheilung nicht zur dargestellten Szene. Nach dem Johannesevangelium verließen Jesus und seine Jünger heimlich "das andere Ufer", an dem die Brotvermehrung stattfand und fuhren mit dem Boot über den See nach Kafarnaum ("Gang Jesu auf dem Wasser") hinüber. Dort spricht Jesus dann am nächsten Tag in der Synagoge. Neumanns zitiert aus dieser Rede und interpretiert so die Brotvermehrung: "Ich bin das lebendige Brot, das vom Himmel herabgekommen ist. Wer von diesem Brot ißt, wird in Ewigkeit leben. Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch, ich gebe es hin für das Leben der Welt." (Joh 6, 51 nach der Einheitsübersetzung)
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